Richtung Inklusion

Wir berufen uns im Leben stets auf eine gemeinsame Wirklichkeit. Diese gemeinsame Wirklichkeit teilen wir mit anderen Menschen. Sie macht uns die Welt erklärbar und erlaubt uns, Dinge oder Ereignisse zu bewerten. Sie vermittelt uns Sicherheit und ermöglicht uns, entsprechend dieser Überzeugung, also dieser gemeinsamen Wirklichkeit, sinnvoll zu handeln.

Mitunter begegnen uns Menschen, die sich, jenseits dieser gemeinsamen Wirklichkeit, ausschließlich und unerschütterlich von ihrer eigenen Überzeugung und ihrem eigenen Bild von der Welt leiten lassen. So bewerten und handeln sie ohne Ausnahme nach ihrem Bild von sich und der Umwelt. Diese Überzeugungen sind dabei unverrückbar und starr. Betroffene Menschen lassen sich weder durch Argumente noch durch irgendeine anders geartete Beweisführung von diesen Überzeugungen abbringen. Es entsteht eine sehr private und lebensbestimmende Wirklichkeit, welche sich nicht mit der Wirklichkeit Anderer deckt. – Der Wahn.

Solche wahnhaften Wirklichkeiten hindern die betroffenen Menschen meist offen und ohne Misstrauen Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Eine tragfähige Beziehung zu ihren Mitmenschen haben sie selten. Sie schaffen es nicht, sich auf eine gemeinsame Welterfahrung zu einigen.

Wahn kann ein Begleitsymptom unterschiedlicher psychischer Erkrankungen sein. So finden sich wahnhafte Symptome bei Vergiftungen durch unterschiedliche Substanzen, selten auch bei bestimmten körperlichen Erkrankungen aber auch bei dem Delirium, bei der Depression, bei der Manie und bei der Schizophrenie. Der Wahn kann vielgestaltig sein. Er kann beispielsweise das eigene körperliche Empfinden (körperbezogener Wahn), die eigenen Talente und Fertigkeiten (Größenwahn), die eigenen finanziellen Möglichkeiten (Verarmungswahn) oder soziale Beziehungen (Liebeswahn, Verfolgungswahn) betreffen.

Wahnhafte Symptome beginnen meist schleichend. Nicht selten steht das Gefühl, dass sich die Umwelt verändert hat und diese merkwürdig unvertraut erscheint, am Beginn. Mitunter machen solche Erfahrungen den Betroffenen Angst, sie erkennen in banalen Ereignissen plötzlich eine gewisse Bedeutung und fühlen sich von der Welt merkwürdig entfremdet.

 

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Die wahnhafte Störung

Der lange andauernde Wahn ist das einzige und auffälligste Kennzeichen einer wahnhaften Störung. Den betroffenen Personen gelingt es nicht mehr, Erfahrungen Anderer aufzunehmen, sie zu teilen. Sie schaffen es nicht mehr, den eigenen Standpunkt in Beziehung zu setzen, ihn anzupassen oder zu wechseln. Dies trennt sie von anderen Menschen. Sie leben oft sozial isoliert, werden zu Einzelgängern, fühlen sich nicht mehr verstanden.

Wie erkennt ein Facharzt oder Therapeut, ob ich an einer wahnhaften Störung erkrankt bin?

In erster Linie wird Ihr Psychiater oder Psychotherapeut Ihnen unvoreingenommen zuhören. Er wird sich ein genaues Bild von Ihrer Situation machen, sich in ausführlichen Gesprächen Ihrer Sorgen und Probleme annehmen. Wichtig ist, dass sie dabei offen und ehrlich ansprechen, was Sie als verändert oder bedrohlich empfinden.

Meist ist es hilfreich für Ihren Facharzt oder Psychotherapeut auch mit Ihren Angehörigen zu sprechen. Dies ist nur mit Ihrem Einverständnis möglich. Die Sichtweise Ihrer Angehörigen kann so zu einem umfassenderen Bild Ihrer Beschwerden führen und auch Aufschluss darüber geben, ob Ihre Befürchtungen und Überzeugungen auch von Außenstehenden so wahrgenommen werden.

Um körperliche Ursachen für Ihre Erkrankung ausschließen zu können, wird Ihr Arzt Sie auch körperlich untersuchen. Dabei können Bluttests und Röntgenuntersuchungen (EEG, MRT) wichtige Informationen über Körper- und Gehirnfunktionen liefern.

Wie kann eine wahnhafte Störung behandelt werden?

Die anhaltende wahnhafte Störung wird medikamentös und psychotherapeutisch behandelt. Mitunter sind auch weitere Methoden, wie eine Elektrokrampftherapie, hilfreich.

Zur medikamentösen Therapie werden Antipsychotika eingesetzt, sie nehmen das Misstrauen und verringern Wahnvorstellungen.

Ihr Psychiater oder Psychotherapeut wird Ihnen zuhören. Grundlage für das Gelingen einer Therapie ist eine vertrauensvolle und stabile Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Therapeuten. Das braucht Zeit. Sprechen Sie Ihre Zweifel offen an. In der Psychotherapie werden Sie zunächst umfassende Informationen über Ihre Erkrankung erhalten. Wahnsymptome sind oft ein Bild, ein Symbol der eigenen Befindlichkeit. Dies mit Ruhe und Gelassenheit zu besprechen ist ein erster Schritt. Sie werden nicht mehr allein sein.

Was kann ich selbst dazu beitragen, dass es mir bessergeht?

Eine vertrauensvolle und stabile Beziehung zwischen dem Psychiater/Psychotherapeuten und der betroffenen Person ist für eine erfolgreiche Behandlung ausschlaggebend. Sprechen Sie daher offen und ehrlich mit Ihrem Psychiater oder Psychotherapeuten. Nur so kann dieser Ihnen helfen. Wenn Sie unter Verwandten oder Freunden eine Person haben, der Sie vertrauen, ist dies sicher sehr hilfreich.

Bitte informieren Sie sich über Ihre Erkrankung. Sie werden Ihre Schwierigkeiten besser einschätzen können. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder Freunden darüber. Das kann häufig schon sehr entlastend sein.

Informationen zu Selbsthilfegruppen bundesweit finden Sie hier:

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Für Angehörige ist der Umgang mit der betroffenen Person oft belastend, vor allem wenn der Wahn sich auch auf die Beziehung mit dem Angehörigen bezieht. Mit den Überzeugungen und Befürchtungen der Betroffenen angemessen umzugehen kann viel Kraft kosten. Angehörige haben scheinbar auf das Verhalten der betroffenen Person keinen Einfluss. Sie fühlen sich hilflos. Zudem sind sie oft persönlichen Vorhaltungen oder Angriffen ausgesetzt.

Wichtig ist daher, dass Sie sich bewusst machen, dass das Verhalten der betroffenen Person durch die Erkrankung begründet ist. Durch das Wissen über die Erkrankung sind die Symptome besser zu verstehen. Es gelingt dann besser, das Verhalten des Betroffenen einzuordnen. Zum Selbstschutz ist es wichtig, Angriffe nicht persönlich zu nehmen.

Angehörige oder Freunde sollten sich stets rechtzeitige Unterstützung und Hilfe suchen.

 

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LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
58675 Hemer


Tel.: 02372 861-0

 

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