Richtung Inklusion

Ich …

... fühle und reagiere heftiger als andere.

... reagiere oft so heftig, dass ich nicht weiß wohin mit mir.

... kann meine innere Anspannung kaum verringern.

... setze oft selbstschädigendes Verhalten ein, um Anspannung zu mindern

... habe oft wechselnde Stimmungen.

... kann oft nicht sagen, wie ich mich genau fühle.

... fühle mich innerlich leer.

... weiß nicht, wer oder wie ich bin.

... habe Schwierigkeiten in Beziehungen mit anderen Menschen.

... habe oft Angst von anderen verlassen zu werden.

 

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Welche Anzeichen und Beschwerden treten bei der Erkrankung auf?

Etwa ein bis drei von hundert Personen leiden an einer Borderline-Störung. Personen mit einer Borderline-Störung neigen zu extremen und heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen. Oft werden diese großen Stimmungsschwankungen als unerträglich erlebt, sie führen zu einer Zerrissenheit und zu einer großen inneren Anspannung. Selbstverletzungen (Ritzen), Drogenkonsum oder riskante Unternehmungen führen, meist kurzfristig aber nicht langanhaltend, zu einer Entlastung. Selbstverletzungen und riskantes Verhalten dienen dabei der Spannungsregulierung und sind von einer Lebensmüdigkeit zu unterscheiden. Dennoch treten Lebensverneinende Gedanken- und Handlungen bei betroffenen Personen häufig zusätzlich auf.

Stimmung, Selbstbild und Beziehungen sind unbeständig. Betroffene können Gefühle kaum auseinanderhalten oder kontrollieren. Sie werden oft als innerer Druck oder Stress empfunden. In vielen Fällen fühlen Betroffene sich innerlich leer. Nicht selten sind Betroffene von Scham-, Schuld- und Ohnmachtsgefühlen beherrscht. Oft wissen sie nicht, wie und wer sie eigentlich sind und was ihre Person ausmacht. Sie haben von sich kein eigenes Bild. Beziehungen zu anderen Personen sind meist extrem und instabil. Nicht selten scheitern solche Beziehungen, weil der gesunde Partner die Gefühls- und Stimmungsschwankungen nicht nachvollziehen kann. So passiert es betroffenen Personen, dass sie in einem Moment einen Menschen in den Himmel heben, um ihn im nächsten Moment zu hassen. Gleichzeitig kann aber auch die ständige Angst von anderen Personen verlassen zu werden bestehen. Daher zeigen Betroffene oft starke Bemühungen nicht allein zu bleiben, auch wenn diese Ängste unbegründet sind.

Nicht alle Merkmale einer Borderline-Störung treten bei allen Betroffenen auf. Die Erkrankung kann sehr vielfältig und individuell sein. Kaum zwei Erkrankte weisen genau die gleichen Symptome und Beschwerden auf. Auch die Stärke der Beeinträchtigung kann stark variieren. So kommen einige Betroffene ohne größere Schwierigkeiten im Alltag zurecht, während andere sich ihren Symptomen komplett ausgeliefert fühlen.

 

Wie erkennt der Arzt, ob ich an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erkrankt bin?

Aufgrund der Vielfältigkeit der Erkrankung ist diese nicht immer sofort eindeutig diagnostizierbar. Nicht selten kommen Betroffene mit Zeichen einer anderen psychischen Erkrankung, etwa mit depressiven Symptomen, in die psychiatrische Behandlung.

Der Psychiater oder der Psychotherapeut wird die Diagnose einer Borderline-Störung erst nach ausführlichen Gesprächen stellen. Hilfreich ist es, wenn, mit dem Einverständnis der Betroffenen, auch nahestehende Personen befragt werden können. Zunächst werden Beschwerden und Verhaltensweisen besprochen und erfasst. Darüber hinaus werden auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Betroffenen betrachtet. Die Lebensgeschichte wird näher beleuchtet, um mögliche Ursachen für die Entwicklung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu erarbeiten. Hier können erste Anzeichen schon in der Kindheit, beispielsweise durch traumatische Erfahrungen, Hinweise geben. Dafür ist eine gute und tragfähige sowie vertrauensvolle therapeutische Beziehung zwischen der betroffenen Person und dem Behandler erforderlich.

Auch psychologische Tests und Fragebögen können bei der genaueren Einordnung des Krankheitsbildes hilfreich sein. Für den Ausschluss körperlicher Erkrankungen ist eine ärztliche Untersuchung unumgänglich. Bluttests und EEGs (Gehirnfunktionen) bieten zusätzliche Informationen.

 

 Wie kann eine Borderline-Persönlichkeitsstörung behandelt werden?

Die Symptome einer Borderline-Störung sind vielfältig. Dennoch können medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungen zu einer wesentlichen Besserung beitragen. Medikamente können bei der Behandlung von Begleitsymptomen helfen und haben beispielsweise eine beruhigende oder stimmungsstabilisierende Wirkung. Aber auch auf eine psychotherapeutische Behandlung kann selten verzichtet werden. Je nach Schwere und Verlauf der Erkrankung können verschiedene Behandlungsverfahren ergänzt und kombiniert werden. Die Behandlung ist langwierig und kann manchmal mehrere Jahre dauern.

An erster Stelle werden suizidale Gedanken oder Versuche behandelt. Auch Verhalten, welches den Fortgang der Therapie gefährdet, wird vorrangig besprochen. Sodann steht ein kontrollierter Umgang mit den eigenen Symptomen im Blickpunkt. Betroffene lernen ihre Gefühle besser unterscheiden und benennen zu können. Aber auch das Ertragen der Gefühle sowie der eigene Einfluss auf diese stehen hierbei im Vordergrund. Um diese Ziele erreichen zu können, müssen Alternativen für selbstverletzendes Verhalten gefunden und ein angemessener Umgang mit Stress erlernt werden. Im weiteren Therapieverlauf sind die Entwicklung eines stabilen Bildes von sich selbst, der Aufbau von Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz oberstes Ziel. Mit den Betroffenen wird erarbeitet, wer und wie sie sind. Eigene Motive und Bedürfnisse werden herausgearbeitet. Zudem sollen die Patienten lernen, dass sie „nicht das Gefühl sind, sondern Gefühle haben“. Das bedeutet, dass sie sich nicht zu sehr von den Gefühlen vereinnahmen lassen, sondern diese auch mit Distanz betrachten können. Meist haben erkrankte Personen ein sehr niedriges Selbstwertgefühl. Durch die Erarbeitung von Ressourcen und Stärken sowie die Vermittlung, dass sie ok sind, so wie sie sind, lernen Betroffene sich selbst zu akzeptieren. Zudem lernen sie sich selbst mehr zu vertrauen und selbstbewusster zu sein.

 

 Wie kann ich die Behandlung unterstützen?

Auch über die Therapie hinaus ist es wichtig, dass Sie das Wissen um die Behandlung Ihrer Erkrankung in Ihrem Alltag anwenden. Versuchen Sie Impulse und impulsives Handeln hinauszuzögern. Falls Sie mit jemandem in Streit geraten, ist es manchmal sinnvoll, sich etwas zurückzuziehen, wenn der Streit zu schlimm wird und etwas später nochmal in Ruhe über alles zu reden. Versuchen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt zu bleiben und achten Sie auf das, was mit Ihnen geschieht. Versuchen Sie auch auf Ihre Gefühle zu achten und diese als zu Ihnen gehörend zu sehen. Betrachten Sie alle Ihre Gefühle als wertvoll und nützlich, auch die negativen Gefühle wie Trauer oder Wut. Alles hat einen Sinn. Versuchen Sie Ihre Gefühle ein wenig zu verstehen und den Sinn dahinter zu sehen. Wenn Sie einmal wütend sind, versuchen Sie niemanden in Ihrer Wut zu beleidigen, sondern nehmen Sie diese wahr ohne direkt zu handeln. Langfristig hat die Behandlung Ihrer Erkrankung eine gute Prognose. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist die kontinuierliche Behandlung. Bitte brechen Sie daher die Behandlung nicht ab.

Oft hilft es sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Informationen zu Selbsthilfegruppen bundesweit finden Sie hier:

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Oft fühlen sich Angehörige hilflos gegenüber der Erkrankung. Sie sollten aber immer wissen, dass Sie allein der betroffenen Person nicht helfen können, sondern diese es nur selbst kann. Angehörige können den Erkrankten Unterstützung anbieten und zeigen, dass sie für diese da sind (auch wenn das nicht immer einfach ist). Das Verhalten der Betroffenen ist meist Symptom der Erkrankung und sollte nicht persönlich genommen werden. Wenn Angehörige genauso reagieren würden wie die Betroffenen, würde es nur zu unnötigen Konflikten kommen und niemandem wäre damit geholfen. Auch bringt es nur wenig, das Verhalten der erkrankten Person rational zu hinterfragen. Man würde zu keiner Lösung kommen. Vielmehr hilft es, empathisch zu reagieren. Frühwarnzeichen sollten immer im Auge behalten werden. Panische Reaktionen helfen nur wenig. Besser ist es ruhig und rational zu bleiben und professionelle Hilfe zu holen. Dabei ist es aber unbedingt wichtig, dass Angehörige auch auf eigene Grenzen achten und Ihr eigenes Leben nicht vergessen.

So erreichen Sie uns

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
58675 Hemer


Tel.: 02372 861-0

 

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