Richtung Inklusion

Angst ist ganz natürlich. Sie kann in bestimmten Situationen lebensrettend sein, da sie uns in die Lage versetzt, bei Gefahr schnell handeln zu können. Angst zeigt sich in körperlichen Reaktionen: das Herz schlägt schneller, wir schwitzen und atmen schneller. Sie äußert sich auch in Gedanken und Gefühlen, so konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Angst. Angst zeigt sich auch im Verhalten, wenn wir versuchen zu fliehen. Doch wann wird die Angst zur Krankheit? Wird die Angst unangemessen stark, tritt sie ungewöhnlich häufig auf und ist sie scheinbar nicht mehr zu kontrollieren, kann es zur Entwicklung einer Angststörung kommen. Ständige Angst ist sehr belastend und anstrengend. Erkrankte Betroffene sind dadurch in Ihrem Alltag sehr eingeschränkt, da Sie Situationen meiden, in denen Sie Angst haben könnten. Dies führt zu einem großen Leiden. Angst kann in vielen Formen auftreten. Manche Menschen können Angst vor bestimmten Dingen, Lebewesen oder Situationen haben. Andere haben Angstattacken oder ständige unterschwellige Ängste unabhängig von der Situation. Im Folgenden werden fünf Typen der Angststörung dargestellt:

  1. die Agoraphobie,
  2. die soziale Phobie,
  3. die spezifische Phobie,
  4. die Panikstörung sowie
  5. die generalisierte Angststörung. 

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Agoraphobie

Bei einer Agoraphobie fürchten die Betroffenen Menschenmengen und öffentliche Plätze, wie Geschäfte oder auch Busse. Sie befürchten häufig nicht schnell genug aus einer Situation fliehen zu können. Dadurch meiden sie diese Konstellationen und ziehen sich immer mehr zurück. Dies kann sehr einschränkend sein und zu großem Leid führen. In schlimmen Fällen verlassen erkrankte Personen ihr zu Hause überhaupt nicht mehr.

Soziale Phobie

Personen mit sozialer Phobie fürchten die Bewertung durch andere Menschen. Angstauslösende Situationen können z.B. Essen oder Vorträge in der Öffentlichkeit sein. Aber auch Kontakt zum anderen Geschlecht kann Ängste hervorrufen. Meist leiden Erkrankte unter einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl und haben Angst vor Kritik. Sie haben Angst etwas Peinliches zu tun, fürchten beispielsweise zu erröten und vermeiden deshalb Kontakt zu anderen Menschen. Dadurch isolieren Sie sich immer mehr und leiden darunter.

Spezifische Phobie

Spezifische Phobien bezeichnen Ängste vor ganz bestimmten Situationen. Hierzu gehört beispielsweise Angst vor bestimmten Tieren, Höhen, geschlossenen Räumen und vieles mehr. Das Erleben dieser Situationen kann zu Panik führen. Aber auch die Angst vor Blut und Verletzungen gehört zu den spezifischen Phobien. Letztere bilden eine besondere Gruppe, da sie zu Ohnmachtsgefühlen führen können.

Panikstörung

Die Panikstörung ist nicht auf eine spezifische Situation begrenzt. Ihre wesentlichen Kennzeichen sind immer wiederkehrende, besonders starke Angstattacken. Angstattacken können ganz plötzlich in kurzer Zeit auftreten und gehen einher mit Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, dem Gefühl zu ersticken, Schwindel und dem Gefühl nicht man selbst zu sein. Zudem kann auch Angst zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden auftreten. Meist dauern Anfälle nur wenige Minuten, sie können aber auch länger dauern. Da diese unabhängig von bestimmten Situationen auftreten, sind sie für Betroffene auch nicht vorhersehbar. Erkrankte Personen leiden deshalb unter ständiger Angst vor erneuten Panikattacken.

Generalisierte Angststörung

Die allgegenwärtige Angst, welche sich nicht auf etwas Bestimmtes bezieht, ist ein wesentliches Merkmal der generalisierten Angststörungen. Meist beginnt sie schleichend mit einem mulmigen Gefühl und einer inneren Anspannung. Betroffene leiden unter einer ständigen unterschwelligen Angst und damit verbundenen Sorgen, die sich beispielsweise darin äußern können, dass Betroffene befürchten sie oder Angehörige könnten schlimm erkranken oder es könnte etwas Schlimmes passieren. Erkrankte Personen scheinen immer nervös zu sein, sind verspannt, zittern, schwitzen, haben Herzklopfen und Schwindelgefühle. Aber auch das Gefühl benommen zu sein und Bauchschmerzen können Anzeichen sein.

Wie erkennt der Arzt, ob ich an einer Angststörung erkrankt bin?

Meist bemerken Betroffene selbst, dass etwas nicht stimmt und leiden enorm unter ihren Ängsten. Durch einen Facharzt oder Psychotherapeuten kann das Ausmaß und die Einordnung der Erkrankung abgeklärt werden. Diese erfassen Krankheitszeichen und Beschwerden durch ein ausführliches Gespräch. Fragen zur Lebensgeschichte können hilfreich sein, um bereits frühe Anzeichen der Erkrankung herauszuarbeiten. Unterstützend werden auch psychologische Tests eingesetzt.

Damit körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können, wird der behandelnde Arzt Sie gründlich körperlich untersuchen. Hierbei bieten Bluttests und EEGs (Gehirnfunktionen) weitere Informationen.

Wie kann eine Angststörung behandelt werden?

Viele betroffene Menschen versuchen ihre Ängste ohne fremde Hilfe in den Griff zu bekommen. Manche versuchen es mit Entspannungstechniken, andere nehmen pflanzliche Beruhigungsmittel ein. Besser ist es, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Das Wissen über die Erkrankung aber auch den Umgang mit Stress erlernen Betroffene in psychotherapeutischen Gesprächen. Um sich Ängsten stellen zu können, müssen zunächst Gedanken verändert werden. Hierzu ist es wichtig mit Hilfe des Psychotherapeuten die Gedanken hinter der Angst erkennen und verstehen zu können. Danach erst können Gedanken gewandelt werden. Dadurch fühlen sich Betroffene nicht mehr so hilflos gegenüber ihren Ängsten. Darüber hinaus hilft die Psychotherapie Erkrankten dabei, sich ihren Ängsten zu stellen, damit diese sich nicht mehr durch ihre Ängste kontrollieren lassen. Solche Konfrontationen können in Gedanken, aber auch in der Realität stattfinden. Wichtig ist ein schrittweises Vorgehen, wobei die erkrankte Person Situationen zunächst in Begleitung und später alleine meistert. Ziel ist dabei eine Gewöhnung an die angstauslösende Situation.

Neben der psychotherapeutischen Behandlung können in manchen Fällen Medikamente, beispielsweise Antidepressiva, hilfreich sein. Je nach Schwere der Erkrankung kann es notwendig sein zunächst Medikamente einzunehmen, um eine Psychotherapie möglich zu machen. Medikamente können die Angst und die Stimmung verbessern. Angsterkrankte werden aktiver und ziehen sich weniger zurück.

Wie kann ich die Behandlung unterstützen?

Bitte scheuen Sie sich nicht, möglichst frühzeitig einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Je früher eine Behandlung beginnt, umso erfolgreicher wird sie sein. Für den optimalen Verlauf einer Therapie ist ihr Mitwirken unumgänglich. Es ist wichtig, dass Sie sich Ihren Ängsten stellen und nicht Situationen vermeiden, die Ihnen Angst machen. Achten Sie dabei aber immer darauf, sich selbst nicht zu überfordern. Sorgen Sie gut für sich selbst und holen Sie sich Hilfe, wenn Sie welche brauchen. Übernehmen Sie Verantwortung für sich selbst und Ihr Handeln. Ein guter Umgang mit Problemen und Stress kann darüber hinaus auch sehr hilfreich sein.

Informationen zu Selbsthilfegruppen bundesweit finden Sie hier:

Welche Tipps gibt es für Angehörige?

Die Hilfe und Begleitung eines Angehörigen mit einer Angsterkrankung erfordert Geduld und Kraft. Bitte unterstützen Sie die betroffene Person dabei, fachkundliche Hilfe aufzusuchen und diese anzunehmen. Es ist gut, möglichst viel über die Erkrankung zu wissen. Nutzen Sie Informationsmöglichkeiten. Bitte nehmen Sie die Erkrankung und Ängste der Betroffenen ernst und versuchen Sie diese bei einem Angstanfall zu beruhigen. Seien Sie dabei nicht zu fürsorglich. Vermeidungsverhalten der an einer Angststörung leidenden Personen sollte nicht unterstützt werden. Hilfreicher ist es, sie zu ermutigen, sich in kleinen Schritten der Angst zu stellen. Hierbei bietet es sich an, die erkrankte Person in Situationen zu begleiten, die mit der Angst zusammenhängen. Das wird der betroffenen Person Sicherheit geben. Wenn Sie behutsam vorgehen und Ihre(n) Angehörige(n) nicht unter Druck setzen, werden sich bald Erfolgserlebnisse einstellen und die betroffene Person wird so zu mehr Selbstständigkeit ermutigt.

Bitte vergessen Sie bei aller Unterstützung nicht, dass Sie eigene Bedürfnisse haben. Sorgen Sie auch für sich.

So erreichen Sie uns

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
58675 Hemer


Tel.: 02372 861-0

 

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