Richtung Inklusion

„Experimentierfreudig sein ist das A und O“

Dr. Patrick Debbelt

Vieles ist uns nicht mehr möglich: Ausgehen, sich etwas Gutes tun, Fitness, Kino, Theater, das funktioniert aktuell nur eingeschränkt oder gar nicht. Welche Auswirkungen hat das auf uns Menschen?

Dr. Debbelt: Dramatische Auswirkungen, weil wir soziale Wesen sind. Wir brauchen die Gemeinschaft. Wenige Menschen sind dazu geboren als „Einsiedler“ zu leben. Einsamkeit löst Angstgefühle aus. Durch Beschränkungen verhalten wir uns unnormal, weil wir ein gemeinsames soziales Leben benötigen. Auf der anderen Seite wiederum droht eine massive psychische Belastung, wenn man sich gegen die aktuellen Richtlinien verhält – und das wäre dann noch dazu auch ein körperliches Gesundheitsrisiko.

Welche Auswirkungen hatte das anfängliche Unwissen in Bezug auf das Virus und die damit verbundene Hilflosigkeit auch von Seiten der Politik?

Dr. Debbelt: Gerade zu Beginn der Pandemie herrschte große Unsicherheit. Handelt es sich um eine virale Infektion, die in ihrer Schwere einer normalen Grippe gleichkommt, oder ist die Infektion mit dem neuen Virus deutlich gefährlicher? Ebenso herrschte Unwissenheit über die Übertragungswege. Wir Menschen haben es aber gerne „klar“. Doch die Wissenschaft konnte erstmal keine klaren Antworten geben. Dadurch änderten sich die Maßnahmen viele Male. Es stellte sich beispielsweise heraus, dass das Tragen eines Mund-Nasenschutzes sinnvoll ist. Die neuen Erkenntnisse führten dazu, dass vorherige Theorien verworfen werden mussten. Das verunsichert einige Menschen, und diese Unsicherheit wiederum führt dazu, dass sich eine Gruppe Menschen von der Wissenschaft abwendet und eigene Theorien aufstellt, die sogenannten Verschwörungstheorien.

Wie sind die kurzfristigen- und die Langzeitauswirkungen?

Dr. Debbelt: Um das genau beantworten zu können, bräuchten wir den Blick in die Glaskugel. Man weiß aber aus Studien, dass längere angstbesetzte Situationen, in denen wir uns hilflos fühlen, ein großer Risikofaktor für depressive Erkrankungen sein können. Wenn der Stress zu groß wird, haben wir alle das Risiko in uns, eine depressive Episode zu entwickeln. Sei es die Angst um die Arbeitsstelle, finanzielle Verluste, etc. Auch spielendie Vulnerabilität, die Veranlagung und wie viele Risikofaktoren man in sich trägt, eine Rolle bei der Frage, ob ein Mensch an einer Depression erkrankt. Die Wahrscheinlichkeit lässt sich aber nur zum Teil abschätzen. Wir wissen, dass Kinder, die instabile Beziehungen oder Verluste erfahren haben oder genetisch vorbelastet sind, später ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, an einer psychischen Erkrankung zu leiden.Wo zeigen sich Veränderungen des menschlichen Verhaltens bereits deutlich?Man erkennt bei vielen ein hohes Maß an Anspannung und Gereiztheit.Die Corona-Thematik ist in den Nachrichten allgegenwärtig.

Schürt die ständige Konfrontation Ängste?

Dr. Debbelt: Es gibt sicherlich eine Gruppe von Menschen, bei denen die Nachrichten Ängste triggern, es gibt aber auch Menschen, die genervt sind. Verschwörungstheoretiker nutzen das und verkünden Ungeheuerlichkeiten, wie "Alles nur großer Betrug“, „Bill Gates steckt dahinter“, etc. Auch das ist letztlich nur eine Form von Angst. Nicht vor dem Virus, denn daran glauben diese Menschen nicht. Ihre Ängste beziehen sich auf andere Dinge, wie zum Beispiel die Übernahme der Weltherrschaft von skurrilen Personen. Besonders anfällig für das Folgen solcher Unwahrheiten sind häufig unzufriedene, unsichere Menschen, die sich von vermeintlichen Heilsversprechen angezogen fühlen.

Was kann jeder Einzelne tun, um die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen und der Einschränkungen der Freizeitangebote abzumildern?

Dr. Debbelt: Soziale Medien nutzen, wie beispielsweise Facetime, telefonieren, Treffen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und Begrenzungen, einfach kreativ sein. Da das Freizeitangebot massiv eingeschränkt ist, empfiehlt sich joggen, ein eigenes Sportangebot zusammenstellen, Restaurants unterstützen, indem man Essen zum Mitnehmen bestellt oder mal neue Gerichte beim Kochen ausprobiert. Experimentierfreudig sein ist das A und O.

 

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