Therapeutisches Reiten ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode für verschiedene Formen von Behinderungen und Erkrankungen. Therapeutisches Reiten in der Psychiatrie wird als ergänzende therapeutische Intervention bei fast allen subakuten und chronischen psychiatrischen Krankheiten zur unspezifischen körperlichen und sozialen Aktivierung und zur positiven Veränderung des Selbsterlebens durchgeführt. Durch das Reiten wird den Patienten ein inniger Körperkontakt mit dem Pferd ohne Grenzverlust möglich, wobei das Erlernen des Reitens als ein Nebeneffekt betrachtet wird. Im Vordergrund steht spielerisches Kennenlernen eigener Fähigkeiten ohne Leistungsstress. Dabei wird der Mensch in verschiedenen Bereichen berührt: in seiner Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität, in seiner Körperlichkeit und Beweglichkeit, in seiner Beziehungs- und Auseinandersetzungsfähigkeit sowie auch bezüglich der Übernahme von Eigen- und Fremdverantwortung und realitätsbezogener Selbsteinschätzung.

Therapeutisches Reiten ist seit Jahren fester Bestandteil des Therapieangebotes einiger Stationen und der Tagesklinik der Hans-Prinzhorn-Klinik. Jeweils einmal in der Woche fahren zu einem festen Termin 4-5 Patienten mit einer Pflegekraft zum Therapiehof. Dort helfen sie zunächst, das Pferd zum Reiten vorzubereiten, um eine erste Kontaktaufnahme herzustellen. Danach wird das Pferd in die Reithalle gebracht und die Patienten reiten jeweils 15-20 Minuten. Beim Longieren ohne Sattel mit Voltigiergurt spürt der Patient die Wärme, die Bewegungen und den Rhythmus des Pferdes. Beim sanften Schaukeln des Pferdes kann beobachtet werden, wie weit sich der Patient fallen lassen und sich tragen lassen kann, ob er vertrauensvoll auf die Bewegungen des Pferdes eingehen und mitgehen kann oder steif und ängstlich auf dem Pferderücken sitzt. Durch gymnastische Übungen auf dem Pferd soll erreicht werden, dass sich Spannungen und Ängste lösen, dass der Patient seinen Körper und den des Pferdes wahrnehmen kann und sich auf sich selbst konzentriert. Zum einen soll den Patienten die Möglichkeit zu relativ schnell einsetzenden Erfolgserlebnissen durch eigene Anstrengung gegeben werden, zum anderen wird angestrebt, die Patienten in der stationären und teilstationären Behandlung frühzeitig mit emotional ansprechenden, körperlich aktivierenden Situationen im außerklinischen Rahmen vertraut zu machen.

Weitere Ziele liegen in folgenden Bereichen

  • emotionaler Bereich: Angst- und Aggressionsreduktion, Vermittlung von positiven emotionalen Erlebnissen, Ablenkung vom eigenen Kranksein
  • kognitiver Bereich: Training von Aufmerksamkeit, Reaktion und Konzentration
  • motorischer Bereich: positive Einflussnahme auf z.B. Körperbild, Körperschema, Gleichgewicht, Koordination etc.
  • sozialer Bereich: Überwindung von Isolation, Zuwendung zu Partnern, Förderung von Kooperationsbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit

Daraus ergibt sich ein sehr weites Spektrum psychiatrischer Indikationen. Therapeutisches Reiten ist geeignet für alle Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen, sofern nicht andere körperliche Störungen die Beweglichkeit so einschränken, dass Reiten unmöglich wird.

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Hans-Prinzhorn-Klinik
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