Abgesehen von der in vielen Kulturen bis heute sichtbar genutzten uralten Heilkraft des Tanzes, entwickelte sich die moderne Tanztherapie seit ca. 50 Jahren und es gibt inzwischen Ansätze analog zu den verschiedenen psychologischen Schulen. Im Allgemeinen findet man grundlegende Prinzipien aus der Humanistischen Psychologie, besonders der körperorientierten Verfahren und der Tiefenpsychologie. Für alle Richtungen grundlegend ist ein ganzheitliches Menschenbild, d.h. Tanztherapie geht davon aus, dass körperliches, seelisches und geistiges Erleben gekoppelt sind und sich gegenseitig beeinflussen: "Der Körper ist sichtbare Repräsentanz des gesamten Seins eines Menschen" (T. Schoop).

Die Tanztherapie ist eine bewegungs- und handlungsorientierte, künstlerische Psychotherapie, in der es nicht um festgelegte tänzerische Formen geht, sondern um authentische, selbstgeschöpfte Bewegungen. Der Ansatzpunkt für den therapeutischen Prozess ist momentane Entwicklungssituation und das Befinden des Patienten, worauf die anzuwendende Methodik abgestimmt wird. Sowohl sein aktuelles Bewegungsrepertoire als auch sein Körperbild kann beobachtet, erweitert und realitätsgerechter verändert werden. Tanz wird dabei als eine elementare Körper-, Gefühls- und Symbolsprache, als Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeit verstanden.

Sensibilisierung für körperliche Signale, Ausdrucksmittel und Energieressourcen führen zu mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, zu kreativem und adäquatem Umgang mit sich selbst und der Entwicklung von neuem Körperbewusstsein und Bewegungskompetenz. Es ergeben sich größere Möglichkeiten, die eigene Situation und Lebensthematik intellektuell zu erfassen, zu verarbeiten und verbal zu formulieren.

Weitere wichtige Aspekte der Tanztherapie sind die Improvisation, die intermediale Übertragung und das pantomimische Rollenspiel. Während sich die Patienten zu bestimmten Themen, Gedanken, Gefühlen, Vorstellungsbildern spontan bewegen oder beim kreativen Umgang mit Musik Rhythmus, Wort, Farbe oder verschiedenen Materialien nutzen, lösen sich unbewusste Konflikte und Spannungen. Sie tanzen oder spielen bekannte oder vernachlässigte Teile ihrer Persönlichkeit, identifizieren sich mit Rollen, Bewegungen, Körperteilen, erleben Dynamik sozialer Beziehungen oder der Beziehung zu sich selbst und lernen, sie zu verstehen und ihr Verhalten darauf einzustellen.

Im tiefenpsychologischen Ansatz wird von der Bewusstmachung persönlicher Lebenssymbolik Gebrauch gemacht. In der Bewegung und in der Interaktion mit der Therapeutin oder Gruppenmitgliedern können bestimmte Stufen der psychosozialen Entwicklung wiederholt, nachgeholt und optimiert werden. Durch die Ausgestaltung eines darstellbaren Tanzes, in dem sich die „Mosaiksteine“ des Erlebens in der Improvisation verbinden und äußerlich sichtbar werden, gewinnt der Patient Kontrolle über seine Gefühlswelt. Durch das Umsetzen ihrer Wahrnehmungen in aktives Handeln lernen die Patienten, sich selbst und ihre verschiedenen Anteile als Einheit zu begreifen und gelangen zu einer Integration ihrer Gesamtpersönlichkeit.

Die Tanztherapie findet als Einzel- oder Gruppentherapie statt. Ihre Anwendung reicht vom phylaktischen Bereich über die Psychosomatik, die verschiedenen Neurosen bis hin zu den Psychosen. Durch die Möglichkeit, verbale Anteile stark einzuschränken, kann sie besonders effektiv bei Frühstörungen und Menschen, die sprachlich weniger zugänglich sind, eingesetzt werden.

Die vier Thesen der künstlerischen Therapie

These 1
Die künstlerischen Therapien anerkennen, erkennen und transformieren psychischer Prozesse. Dies geschieht vor dem Hintergrund unterschiedlicher psychotherapeutischer Theorien und Konzeptionen.

These 2
Im Wissen um die spezifische Wirksamkeit von z.B.: Klängen, Farben und Bewegungen, setzt die/der Therapeut/in in künstlerische Medien im therapeutischen Prozess ein.

These 3
Nicht Sagbares (z.B.: Unbewusstes, Vorbewusstes, Vorsprachliches) wird in der therapeutischen Beziehung fühlbar, sichtbar, hörbar und kann im nonverbalen und verbalen Dialog bearbeitet werden.

These 4
Künstlerisch-therapeutische Verfahren beleben die Ausdrucks- und Gestaltungskräfte und ermöglichen deren Transfer in die allgemeinen Lebensformen.

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