Welche Symptome treten auf?

Patienten mit einer Demenz leiden unter den folgenden Beschwerden:

  • Vergesslichkeit. Meist ist das Kurzzeitgedächtnis zuerst betroffen. Menschen mit einer beginnenden Demenz können sich z. B. Telefonnummern, Namen von Personen usw. nicht mehr gut merken. Manche Dinge werden nur wenige Minuten behalten. Das Altgedächtnis ist oft noch gut erhalten; so können sich die Patienten oft noch an lang zurückliegende Dinge erstaunlich gut erinnern, z. B., wie ihr erster Lehrer hieß. Wenn die Demenz schlimmer wird, können sich die Betroffenen allerdings auch zunehmend schlechter an weiter zurückliegende Tatsachen oder wichtige Dinge erinnern, wie z.B. an die Namen ihrer Kinder. 

    Auch Konzentration und Aufmerksamkeit sind reduziert. Dadurch haben die Patienten z.B. Schwierigkeiten, ihre Lebensmittel einzukaufen oder die Zubereitung des Essens zu planen, ihre Medikamente richtig einzunehmen, Rechnungen zu bezahlen oder sich in fremder Umgebung zurechtzufinden. Gefährliche Situationen können entstehen, wenn der Demenzkranke z.B. vergisst, den Herd auszustellen, oder Auto fährt.
  • Orientierungsstörungen. Menschen mit einer Demenz sind manchmal nicht orientiert; damit ist gemeint, dass sie das Datum nicht wissen, nicht sagen können, wo sie sich befinden, und manchmal auch nicht, wie sie heißen. Die betroffenen Personen können sich verlaufen oder manchmal ihre Wohnung nicht wiederfinden. stark verwirrt. So kann er z.B. selbst gute Bekannte verwechseln.
  • Schlaflosigkeit und Unruhe. Menschen mit einer Demenz leiden manchmal unter Unruhezuständen, die nicht selten vor allem nachts auftreten. Sie können plötzlich das Bett verlassen und umherirren. Auch der Schlaf ist häufig gestört.
  • Verfolgungswahn. Manchmal denkt ein Betroffener, dass andere Menschen etwas Böses gegen ihn im Schilde führen oder dass sie ihm Leid antun wollen. Wenn ein Patient etwas aus Vergesslichkeit verlegt hat, vermutet er, dass man ihn bestohlen hat.
  • Sprachstörungen. Die Patienten suchen nach Worten oder können Gegenstände nicht benennen.
  • Depressionen. Nicht selten kommt es zu Niedergeschlagenheit und Traurigkeit.
  • Einschränkung der praktischen Fertigkeiten. Die Betroffenen haben zunehmend Schwierigkeiten, einfache Handlungen zu verrichten, wie z.B. sich anzuziehen.
  • Vernachlässigung der Körperpflege. Für die Angehörigen ist manchmal besonders schwer zu ertragen, dass Patienten mit einer Demenz die Körperpflege vernachlässigen oder die Kleidung nicht mehr sauber halten.
  • Veränderungen der Persönlichkeit oder des Urteilsvermögens. Bei den meisten Menschen mit einer Demenz ist die "Fassade erhalten". Sie sind freundlich und höflich wie früher und können oft sehr gut überspielen, dass sie sich nichts mehr merken können und viele Dinge nicht mehr verstehen. In einigen schwereren Fällen kommt es allerdings auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Menschen können dann manchmal auch ohne Grund auf andere böse sein und sie sogar tätlich angreifen. Manche Betroffenen benehmen sich auch "daneben", erzählen an der falschen Stelle Witze oder sind anderweitig ohne Grund gemein zu ihren Mitmenschen, auf die sie ja nicht selten angewiesen sind.

    Das Festhalten an alten Gewohnheiten und Intoleranz gegenüber der Meinung anderer ist auch nicht selten. Auch der sog. "Altersstarrsinn" gehört zu den Symptomen einer Demenz.

Die genannten Symptome müssen nicht ständig vorhanden sein: Manchmal kann der Betroffene völlig verwirrt, am nächsten Tag wieder völlig klar sein.
Oft führen sie dazu, dass der Betroffene sich nicht selbst versorgen kann. Auf die Verwandten, die die Pflege ihres Angehörigen übernehmen, kommt eine schwere Bürde zu. Manchmal sind sie mit der Pflege überfordert, z.B., weil sie selbst krank oder berufstätig sind. Dann muss manchmal eine Aufnahme in ein Alters- oder Pflegeheim erfolgen, auch wenn sich der Kranke "abgeschoben" fühlt oder die Verwandten ein schlechtes Gewissen haben.

Welche Erscheinungsformen der Demenz gibt es?

Es gibt verschiedene Formen der Demenz. Die häufigste ist die sog. Alzheimer-Erkrankung. Sie macht bei zwei Drittel der Demenzfälle aus. Zunächst muss einmal gesagt werden, dass die oben genannten Symptome in gewisser Weise auf einen natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen sind. Es ist völlig natürlich, wenn Personen über 70–90 Jahren eine Verminderung der geistigen Leistungen zeigen.

Wenn der natürliche geistige Abbauprozess im Alter ein gewisses Maß nicht überschreitet, kann man eigentlich nicht von einer Krankheit sprechen. Wenn allerdings die Symptome einer Demenz schon mit 70, 60 oder gar 50 Jahren ausgeprägt auftreten, spricht man von einer Alzheimer-Krankheit im eigentlichen Sinne. Personen mit hoher Intelligenz bekommen seltener eine Demenz.

Bei einer seltenen Sonderform der Alzheimer-Demenz ist ein Erbfaktor bekannt.

Eine Sonderform, die in etwa einem Viertel der Alzheimer-Fälle auftritt, ist die sog. Lewy-Körper-Demenz. Bei dieser Form hat der Patient neben einer Demenz noch folgende Symptome: optische Halluzinationen, Zeichen der Parkinson-Erkrankung wie Störungen der Aufmerksamkeit und Wachheit.

Eine andere, seltenere Form der Demenz ist die sog. Pick-Erkrankung. Die Symptome dieser Erkrankung beginnen anders als die Alzheimer-Erkrankung. Während bei der Alzheimer-Erkrankung die Gedächtnisstörungen zu Beginn im Vordergrund stehen, kann die Pick-Erkrankung mit den oben beschriebenen charakterlichen Veränderungen beginnen, wie z.B. einer Enthemmung, einer Vergröberung des sozialen Verhaltens oder einer gefühlsmäßigen Verflachung. Im Gegensatz zur Alzheimer-Erkrankung ist das Stirnhirn stärker betroffen als die Schläfen- und Scheitellappen.

Eine andere häufige Form der Demenz ist die sog. Multiinfarkt-Demenz (auch vaskuläre Demenz oder Demenz vom Binswanger-Typ genannt). Bei dieser Demenz finden sich zusätzlich Veränderungen bei der neurologischen Untersuchung. Die Ursache dieser Demenz kann ein jahrelang bestehender Bluthochdruck sein, besonders, wenn dieser nicht behandelt wurde. Andere Risikofaktoren wie erhöhte Blutfette und Diabetes können hierzu beitragen.

Während bei einer Alzheimer-Demenz die Erkrankung stetig fortschreitet, kann es bei der Multiinfarkt-Demenz ein wechselndes Bild mit Verschlechterungen und Verbesserungen geben.

Personen, die jahrelang zuviel Alkohol getrunken haben, können ebenfalls eine Demenz bekommen.

Es gibt noch weitere seltene Demenzformen, die auf bestimmten neurologischen Erkrankungen beruhen.

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen der Demenzen sind meist unbekannt, bis auf die Fälle, in denen ein Erbfaktor vorliegt, oder die Multiinfarkt-Demenz, die mit einem jahrelang erhöhten Blutdruck zusammenhängt.

Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Im Gespräch mit dem Patienten und den Angehörigen kann der Arzt die Vermutung haben, dass eine Demenz vorliegt, wenn die oben genannten Symptome auftreten. Der Arzt wird eine vollständige medizinische Untersuchung durchführen, um andere Ursachen der Symptome auszuschließen. Mit Hilfe von einfachen psychologischen Tests (z.B. mit der "Mini Mental State Examination" – MMSE) kann das Ausmaß des geistigen Abbauprozesses festgestellt werden.

Mit Hilfe einer Computertomographie (eine Art Röntgenaufnahme des Gehirns) kann festgestellt werden, ob bestimmte Teile des Gehirns an Größe verloren haben.

Eventuell wird auch eine Kernspintomographie (Untersuchung in der "Röhre") vorgeschlagen. Mit Spezialuntersuchungen ("SPECT" oder "PET") kann anhand des charakteristischen Bildes unterschieden werden, ob eine Alzheimer-Demenz oder eine Multiinfarkt-Demenz vorliegt.

Es gibt allerdings keinen Test, mit dem zweifelsfrei das Vorliegen einer bestimmten Demenzerkrankung bewiesen werden kann.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Leider ist die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten, dass es befriedigende Behandlungsmöglichkeiten für die Demenz gibt.

In den letzten Jahren wurden einige Medikamente entwickelt, die bei einer Demenz angewendet werden können (z. B. Donezepil, Galantamin, Rivastigmin, Tacrin oder andere).

Diese Medikamente können jedoch den Verlust von geistigen Fähigkeiten nicht rückgängig machen. Eine Heilung ist also nicht möglich. Nur in wenigen Fällen wird es zu einer Verbesserung der geistigen Fähigkeiten kommen. In anderen Fällen können die Medikamente den Abbauprozess aber wenigstens zeitweilig aufhalten. Bei manchen Patienten zeigt sich nur eine unbefriedigende oder gar keine Wirkung.

Donezepil

Dieses Medikament kann zur Verbesserung oder Stabilisierung der geistigen Fähigkeiten führen. An Nebenwirkungen treten Schlaflosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf.

Galantamin

Zu den Nebenwirkungen zählen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magenschmerzen, Schwindel, u. a.

Rivastigmin

Auch mit Rivastigmin kann die Bewältigung von Alltagsaktivitäten verbessert oder stabilisiert werden. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Schwäche, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Erbrechen und Schläfrigkeit.

Tacrin

Dieses Medikament wurde bei Patienten mit leichter oder mäßiger Alzheimer-Demenz untersucht. Bei 20–30% der Behandelten kam es zu einer merkbaren Besserung. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darmbeschwerden und Erhöhungen der Leberwerte.

Andere Medikamente

Andere Medikamente, wie Co-Dergocrin, Piracetam oder Pyritinol können möglicherweise ebenfalls bei Demenzen helfen. Vitamin E und Ginkgo biloba müssen noch genauer untersucht werden, bevor eine Wirkung zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Unruhe- und Verwirrtheitszustände

Schwere Unruhe- und Verwirrtheitszustände können mit bestimmten Medikamenten aus der Klasse der Neuroleptika behandelt werden. Diese Medikamente sollten allerdings nur in schweren Fällen dauerhaft angewendet werden. Bei kurzzeitiger Behandlung gilt z.B. die Anwendung von Haloperidol als sicher. Treten allerdings sog. Extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen auf (diese können sich z. B. in einer Steifigkeit der Gliedmaßen äußern), sollte man auf schwächere Neuroleptika wie z.B. Pipamperon oder Melperon umstellen.

Verwirrtheitszustände können auch dadurch entstehen, dass der Patient nicht genug getrunken hat. Ältere Menschen trinken oft weniger als notwendig. Die Gabe von Getränken oder von Infusionen kann dann die Symptome recht rasch bessern.

Beruhigungs- oder Schlafmittel

Beruhigungs- oder Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sind bei schweren Unruhezuständen weniger gut geeignet als Neuroleptika. Diese Medikamente können z.T. bei Demenzkranken eine gegenteilige Wirkung erzielen: Anstatt die Unruhe zu bessern, können sie Erregungszustände auslösen und Symptome wie Vergesslichkeit oder Verwirrtheit verstärken.

Depressionen

Bei Demenzkranken können Depressionen auftreten, die z.T. damit zu erklären sind, dass der Patient seine Situation wahrnimmt und nicht gut verarbeiten kann. Bei diesen Patienten können z. B. Mittel aus der Gruppe der selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer oder andere Antidepressiva gegeben werden.

Praktische Tipps für Betroffene und Angehörige

Einkaufszettel

Viele Dinge kann man sich nicht mehr merken. Es ist daher sinnvoll, sich kleine Erinnerungszettel zu machen, wie z.B. Einkaufszettel.

Medikamente

Menschen mit einer Demenz müssen oft – wegen anderer Erkrankungen – zahlreiche Medikamente nehmen. Es kann fatale Folgen haben, wenn der Patient wegen seiner Vergesslichkeit zu wenige oder zu viele Medikamente einnimmt. Es gibt in Apotheken praktische Behältnisse zu kaufen, in die die Medikamente für die ganze Woche für morgens, mittags und abends eingeordnet werden können – z.B. von einem Verwandten oder anderen Helfern. Die Patienten sollten immer einen Zettel bei sich tragen, aus dem die eingenommenen Medikamente und andere Erkrankungen wie z.B. Diabetes hervorgehen.

Namensschild

Da Demenzkranke manchmal in Verwirrtheitszuständen das Haus verlassen und sich nicht zurechtfinden, könnte eine Namensschildchen helfen, wenn Helfer den Kranken nach Hause zurückbringen wollen.

Elektronische Hilfen

Mit elektronischen Hilfen können Angehörige gewarnt werden, wenn ein schwer Demenzkranker das Haus verlässt, obwohl er sich nicht orientieren kann.

Pflegeversicherung

Unter Umständen können die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Der Betroffene oder ein Angehöriger muss hierzu einen Antrag stellen. Dann wird eine Einteilung in eine Pflegeklasse vorgenommen, die sich nach dem Grad der Einschränkung richtet. Danach entscheidet sich, ob und wieweit die Krankenkasse z. B. eine Pflegekraft bezahlt.

Betreuung

Personen mit einer Demenz können manchmal nicht mehr für sich selbst sorgen (z. B. ihre Rechnungen bezahlen oder Verträge unterschreiben). Dann kann es notwendig sein, eine "Betreuung" einzurichten.

Wo kann man Hilfe bekommen?

Bei Ihrem Hausarzt, einem Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, bei spezialisierten Zentren zur Behandlung von Demenzen an den Universitätskliniken, bei der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

So erreichen Sie uns

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
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