Wer ist betroffen?

Etwa 1% aller Menschen weisen anlagebedingt eine besondere Sensibilität, eine Feinfühligkeit, oder bildlich gesprochen, eine seelische Dünnhäutigkeit auf, die dazu führt, dass sie in bestimmten Situationen mit heftigen Gefühls-, Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsstörungen reagieren.

Das Seelenleben schizophren gefährdeter Menschen steht somit in der Gefahr, "aus den Fugen" zu geraten. Aus ihrer Lebensgeschichte wissen die Betroffenen, dass sie sich bereits ein- oder mehrmals in einer schweren seelischen Krise befunden haben. Die Ärzte haben damals von einer akuten schizophrenen Episode gesprochen und sie entsprechend behandelt.

Was sind die Ursachen der gesteigerten seelischen Verletzlichkeit (schizophrene Vulnerabilität)?

Sowohl in ihren Erscheinungsformen (Symptomatik) als auch in ihren Ursachen (Ätiologie) ist Schizophrenie ein uneinheitliches Krankheitsbild. Ein bekannter Schweizer Psychiater, Eugen Bleuler, sprach deshalb auch von der "Gruppe der Schizophrenien". Bei noch manch unbekanntem Detail sind sich Fachleute heute einig, dass es einige wichtige Eckpunkte zum Verständnis dessen gibt, was so bedrohlich "Schizophrenie" (Spaltungsirresein) genannt wird.

Offenbar gibt es auf unserer Erde bei fast 1 % der Menschen die Bereitschaft, dass unter bestimmten Umständen unser "Zentralcomputer" Gehirn ausrastet und die in gesunden Zeiten völlig selbstverständliche Einheit von Fühlen, Wahrnehmen, Erleben, Affekten, Denken und Handeln verloren geht. Entscheidend für diese Schwäche im Gehirn ist ein Anlagefaktor, der manchmal auch einen mehr oder minder ausgeprägten Erbfaktor einschließt.

Schuld hat also niemand. Es gibt weder die Schizophrenie verursachende Mutter noch den verrückt machenden Ehemann. Allerdings haben Lebensumstände und damit auch das Verhalten wichtiger Bezugspersonen einen positiven oder negativen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung.

Diathese-Stress-Modell

Diathese heißt anlagebedingte Krankheitsbereitschaft oder Verletzlichkeit. Das Modell besagt, dass schizophren gefährdete Menschen zeitweilig gefährdet sind, seelisch aus den Fugen zu geraten. Überwiegend kündigen sich derartige Krankheitsepisoden mit frühen Warnzeichen an, wie gesteigerter Nervosität, Schlafstörungen, veränderte Gemütsverfassung oder übersteigerter Gereiztheit. Manchmal kommt es auch wie "ein Blitz aus heiterem Himmel". In der akuten Erkrankung verändert sich das gesamte Seelenleben. Manchmal ist dies für die Angehörigen augenfälliger als für die Betroffenen selbst. Akut psychotisch Erkrankte verstehen deshalb oft nicht, warum Außenstehende sie für krank ansehen. Sie glauben sich statt dessen Schikanen oder ungerechtfertigten Beschränkungen ausgesetzt. Der manchmal mit der Erkrankung selbst verbundene Argwohn erfährt so eine Verstärkung.

Schizophrene Psychosen sind häufig auch Rückfallerkrankungen. Deshalb empfehlen sich schon vorbeugend in gesunden Tagen die nachfolgenden Überlegungen Betroffener und Angehöriger:

  • Gibt es frühe Warnzeichen (Frühsymptome), die Vorboten eines Krankheitsrückfalls (eines sogenannten psychotischen Rezidivs) sein können?
  • Wenn es so ist, dass Angehörige oder der Patient merken, dass sich seelische Verfassung und Verhalten ungünstig verändern, was kann man tun?

Wie sollen sich Angehörige verhalten?

Schizophrenien sind doppelt belastende Erkrankungen, für die Betroffenen selbst und für ihre Angehörigen. Angehörige stecken häufig in einer Zwickmühle. Sie sind in der schwierigen Situation, dass psychotisch gefährdete Menschen in besonderer Weise verletzbar sind, aber auch mit ihren manchmal schwer verstehbaren Reaktionen andere verletzen. Ganz allgemein empfiehlt sich ein ruhiges, entspanntes Familienklima. Die Forschung hat gezeigt, dass hohe affektive Spannungen in der Familie (sogenannte Expressed Emotions) in besonderer Weise belastend sind für schizophren gefährdete Menschen, die mit bestimmten ausgesprochenen oder - fast noch gefährlicher - unausgesprochenen Gefühlen ihrer Angehörigen nur schwer umgehen können. Besonders schädlich ist eine Haltung Angehöriger in Form von Vorwürfen, Vorhaltungen, Verdächtigungen und Unterstellungen. Fast so schädlich ist aber auch eine überfürsorgliche, überbehütende Haltung. In gesunden Zeiten sind schizophren gefährdete Menschen in vielerlei Hinsicht kompetent, können eigenverantwortlich handeln, brauchen aber auch wie jeder Mensch Bekräftigung und Lob, nicht Gängelung und Einengung. Dies fällt Angehörigen manchmal schwer, haben sie doch in der Zeit der akuten Erkrankung mit Fehlverhaltensweisen schlechte Erfahrungen gemacht. Wir empfehlen:

Man sollte sich von Zeit zu Zeit in der Familie oder als Paar zusammensetzen und die alltäglichen Probleme, Wünsche, Befürchtungen, aber auch schöne Erfahrungen miteinander so offen wie möglich besprechen. Dies ist die beste Gewähr dafür, dass sich auf beiden Seiten, das heißt sowohl beim schizophren gefährdeten Menschen als auch seinem Angehörigen nichts aufstaut.

Für das Umgehen miteinander in Familie und Partnerschaft sollten möglichst klare und eindeutige Absprachen getroffen werden. Von Zeit zu Zeit sollte in Ruhe gemeinsam überprüft bzw. korrigiert werden, wer wie welche Absprachen eingehalten oder verändert hat. Diese Absprachen sollten gerade auch in guten Zeiten vorausschauend für schlechte eines (drohenden) Krankheitsrückfalls getroffen werden.

Prognose- und Lebensplanung

Erkrankungen aus der Gruppe der Schizophrenien sind zu einem hohen Prozentsatz Rückfallerkrankungen. Insofern bedarf es einiger Vorkehrungen, um das mögliche Risiko eines erneuten Aufflammens der akuten Erkrankung zu verringern. Für schizophren gefährdete Menschen ist es wichtig, mit sich selbst pfleglich umzugehen, Über- aber auch Unterforderungen im Berufsalltag und privaten Bereich sind zu vermeiden. Gleichsam als Stütze für die besondere seelische Labilität (sog. Vulnerabilität) des schizophren gefährdeten Menschen bietet sich eine ausgewogene Alltagsstruktur mit klaren Aufgaben, eindeutigen Absprachen und gut kalkulierbaren Risiken an. Auch wenn es beispielsweise manchmal infolge der mit der Erkrankung verbundenen Antriebsdefizite schwer fällt, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen, sollte es darüber eine Verabredung in Familie und Partnerschaft geben. Manchmal verläuft die Erkrankung so ungünstig, dass Arbeits- und Berufsfähigkeit verloren geht. Auch und gerade dann bedarf es einer Tagesstruktur. Es gibt in fast allen Regionen heutzutage seitens verschiedener psychosozialer Initiativen Angebote im Wohn-, Arbeits- und Freizeitbereich. Zu nennen wären beispielsweise Werkstätten für psychisch Behinderte, Zuverdienstfirmen, Tagesstätten und betreute Wohngemeinschaften ehemaliger Patienten. Neben dem behandelnden Arzt sind es vor allen Dingen auch die Psychosozialen Dienste der örtlichen Gesundheitsämter, die über entsprechende Informationen verfügen. Die mit diesen Einrichtungen verbundenen sozialen Dienste helfen auch bei Beantragung (und Finanzierung) entsprechender Angebote. Natürlich können sie sich auch mit solchen Fragen an die Sozialdienste eines psychiatrischen Krankenhauses am Ort wenden. Sind bei sehr ungünstigen Verlaufsformen der Schizophrenie erhebliche Störungen des Alltages verbunden, vernachlässigen Erkrankte ihre Körperhygiene und die häusliche Ordnung sehr, verlieren sie die Fähigkeit zum Umgang mit Geld, so stellt sich die Frage, gleichsam "stellvertretend" zu handeln: Es bedarf der Einrichtung einer Betreuung (siehe dort).

Sind Langzeitmedikamente sinnvoll?

Am wirksamsten zur Rückfallvorbeugung sind Medikamente, sog. Neuroleptika (siehe dort). Sie bewirken eine psychische Stabilisierung durch Normalisierung im Hirnstoffwechsel und eine Verhinderung von Fehlfunktionen in bestimmten Gehirnzentren.

Neuroleptika sind effektiv sowohl in der akuten Erkrankung als auch in der Vorbeugung erneuter Krankheitsphasen/-schübe.

Da die Rückfallgefahr für viel schizophren gefährdete Menschen hoch ist, ist auf Jahre, manchmal ein Leben lang medikamentöser Rückfallschutz erforderlich. Der kann durch regelmäßige Tabletteneinnahme ebenso erfolgen wie durch eine Spritze in den Gefäßmuskel im Rhythmus von einigen Wochen. Der Rückfallschutz erfordert zum Glück oft geringere Dosen des Medikament als die Akutbehandlung, wodurch auch das Risiko von Nebenwirkungen geringer wird.

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