Welche Problematik besteht?

Deprimiertheit, Apathie, Niedergeschlagenheit und krankhafte Grübeleien assoziieren viele Menschen mit der Erkrankung Depression. Es gibt aber auch die gegenteilige psychische Störung. Nur ist dieses Gegenteil, vom Psychiater Manie genannt, gerade für die Betroffenen viel schwieriger als Erkrankung zu erkennen. Im Gegenteil fühlen sich die Betroffenen oft besonders leistungsstark, "hellwach", ideenreich und voller Tatendrang.

Wie sind Verhalten und seelisches Befinden (Symptomatik)?

So wie bei den Depressionen das Gemüt, bildlich gesprochen, "untertourig", schwerfällig läuft, der Mensch bedrückt, niedergedrückt ist, gibt es, resultierend aus Störungen in den gleichen Hirnarealen (dem sogenannten limbisch-dienzephalen System), auch eine Überdrehtheit, verbunden mit Hektik, scheinbar unbändiger Schaffenskraft, unvorsichtiger Risikobereitschaft und gehobener Stimmung. Dieser gleichfalls krankhafte Zustand des Nervensystems ist besonders in seinen milden Ausprägungen für die Betroffenen und die Umwelt nicht immer als Krankheit zu identifizieren. Erkrankte fühlen sich voller Leben, energiegeladen, spritzig, diskussionsfreudig und schlagfertig. Sie ermüden fast gar nicht, kommen tatsächlich mit nur wenigen Stunden Nachtschlaf aus. Vieles wird begonnen, aber mit zunehmender Ausprägung der Erkrankung immer weniger zu Ende gebracht. Die Betroffenen kommen von "Hölzchen auf Stöckchen".

Widersprechen Angehörige oder Kollegen, so haben diese fast keine Chance zu korrigieren oder gar das aus ihrer Sicht überzogene Tun zu bremsen. Manie bedeutet nämlich keinesfalls immer nur gehobene Stimmung und die Heiterkeit eines Conférenciers, sondern auch schnelle Gereiztheit bei Widerspruch und Unduldsamkeit. Die Familien Erkrankter sind oft von deren Umtriebigkeit erschöpft, des Übermaßes an Aktivität müde. Man sagt sich eine Menge unangenehmer Wahrheiten. Da Manien die intellektuellen Fähigkeiten nicht berühren, geht es bei den hitzigen Diskussionen auch gezielt "zur Sache". Der Appetit ist hervorragend, sexuelle Lust und erotischer Tatendrang sind häufig gesteigert. Selbstsicherheit geht in Selbstüberschätzung über.

Was sind die Ursachen?

Manien sind psychische Erkrankungen, die ihre Ursache in einer zumeist anlagebedingt erhöhten Störbarkeit bestimmter Strukturen, vor allem im Zwischenhirn des Menschen, (dem sog. limbisch-dienzephalen System) haben. Diese Areale im Gehirn funktionieren, vereinfacht gesprochen, wie ein Stimmungs- Antriebsgenerator und geben allem Erleben des Menschen eine affektive Einfärbung. Eine Art von Überfunktion dieser Systeme bewirkt eine unkritisch gehobene Stimmung und eine Enthemmung des psychischen Antriebs. Vorsicht und die Fähigkeit, einmal nachdenklich innezuhalten, die Ruhe zu bewahren gehen verloren.

Manie ist Krankheit, nicht etwa Unart oder böser Wille: nur ist dies sowohl für die Erkrankten selbst als auch für ihre Angehörigen schwer zu erkennen. Unbehandelte Manien dauern in der Regel 2-4 Monate. Manchmal treten manische Erkrankungen in unmittelbarem oder zeitlich versetztem Zusammenhang mit depressiver Herabgestimmtheit auf. Dann spricht man von manisch-depressiver Psychose bei erheblicheren Ausprägungsgraden oder von Zyklothymie bei geringer ausgeprägtem, aber dafür sehr häufigem Wechsel von überdrehter Hochstimmung und depressiver Verstimmung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Manien sind anlagebedingte (das heißt endogene) Erkrankungen, die mit Störungen in der Biochemie und Elektrophysiologie bestimmter Hirnareale einhergehen. Folglich liegt das Schwergewicht der Behandlung akuter manischer Zustände bei antipsychotischen Medikamenten (Neuroleptika, siehe dort) und bei Lithium (siehe Mood Stabilizer). Die Schwierigkeit ist, dass gerade diese Medikamente zur Wirkung eine relativ regelmäßige Einnahme voraussetzen, wozu die Betroffenen u.U. wegen fehlender Krankheitseinsicht nicht bereit sind. Die Medikamente haben, wie viele wirksamen Arzneien, auch einige Nebenwirkungen. In der Regel werden diese von den Betroffenen erheblich stärker erlebt, als man es nach der Wirkweise der Medikamente erwartet. Das hat vermutlich seine Ursache darin, dass die Erkrankten schon das Ausbremsen auf ein "normales" seelisches Antriebsniveau als Beeinträchtigung wahrnehmen.

Manisch-depressive Erkrankungen hinterlassen nach dem Abklingen einer akuten Krankheitsphase in aller Regel kaum Störungen im Gefühlsbereich, im Denken, bei Aufmerksamkeit, Konzentration und Intellekt. Gerade in dieser gesunden Zeit ist es wichtig, die Behandlungsschritte für den Fall eines Krankheitsrückfalles ebenso zu besprechen wie die Notwendigkeit einer rückfallvorbeugenden medikamentösen Dauerbehandlung. Ohne eine solche Rückfallvorbeugung besteht ein erhebliches Risiko, wieder manisch (und depressiv) zu erkranken. Seit Jahrzehnten gibt es gesicherte positive Erfahrungen mit Salzen des Lithium (die sogenannten Lithium-Phasenprophylaxe) und mit bestimmten (u.a. auch antiepileptisch) wirksamen Medikamenten wie Carbamazepin und Valproinsäure.

Eine Psychotherapie im engeren Sinne ist bei Manien nicht notwendig. Allerdings ist es wichtig, mit den Erkrankten im Sinne einer Krankheitsbewältigung Rückfallvorbeugung und möglicherweise stressende Situationen zu besprechen. Manisch gefährdete Menschen sollten in besonderer Weise pfleglich und vorsichtig mit sich umgehen, sich gleichermaßen vor Über-, aber auch vor Unterforderung schützen. Wenn irgend möglich sollte das Familienklima offen und verständnisvoll füreinander sein, durchaus auch mit der Chance, Probleme anzusprechen und auszudiskutieren, ohne dass gegenseitige Verletzungen, Vorwürfe, Schuld- und Schamgefühle zurückbleiben. Dies ist manchmal deshalb nicht einfach, weil die Betroffenen in den manischen Krankheitsphasen "viel Porzellan" zerschlagen haben, z.B. indem sie es im manisch-übersteigerten Antrieb haben an Takt und Anstand fehlen lassen, dass sie nicht behutsam genug mit den Familienmitgliedern umgegangen sind; oft existieren aber auch ganz handfeste Probleme dadurch, dass in der Manie häufig auf "großem Fuß" gelebt wird und zuviel Geld ausgegeben wurde. Den resultierenden Schaden hat häufig die gesamte Familie auszubaden.

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