Wie ist das Verhalten der Erkrankten?

Eltern oder Partnern fallen Veränderungen in der psychischen Verfassung und im Verhalten eines Angehörigen meist zuerst auf. Beginnende Episoden einer Schizophrenie kündigen sich bei den Patienten auf ganz unterschiedliche Weise an: Es treten Veränderungen in der Stimmung auf, oft im Sinne vermehrter Angst und Unruhe, "Nervosität", seltener aber auch im Sinne euphorisch-gehobener Verfassung.

Auffällig können aber auch gedankliche Veränderungen sein, im Sinne merkwürdiger Ideen, eigenartiger Grübeleien oder gar Äußerungen des Gefühls, sich beeinträchtigt, völlig unverstanden oder verfolgt zu fühlen. Manchmal sprechen die Erkrankten aber nicht über "merkwürdige" Erlebnisse, behalten für sich, dass sie Stimmen hören (sog. akustische Halluzinationen), dass sie sich selbst oder ihre Umwelt eigenartig verändert erleben.

Menschen mit schizophrenen Erkrankungen verstehen die Welt der anderen kaum noch, und ziehen sich im Gegenzug mehr und mehr in ihre eigene Welt, in eine Art von Privatwirklichkeit zurück.

Wie entsteht die Krankheit?

Schizophrene Psychosen sind anlagebedingte Erkrankungen. Fast 1% der Bevölkerung weist eine entsprechende Bereitschaft auf, in bestimmten Situationen mit schizophrenen Symptomen zu reagieren. Als Nichtbetroffener kann man sich die Krankheit im Modell wie folgt vorstellen:

Sprache und Kultur plötzlich in einem entfernten Land wären, beispielsweise Tibet. Vieles, was sie dort erleben, käme Ihnen fremdartig, bedrohlich vor, riefe Ängste bei Ihnen hervor, evtl. auch die Tendenz, sich von den anderen abzukapseln. In ähnlicher Weise sind schizophren gefährdete Menschen beeinträchtigt. Sie können feinste Signale aus der mitmenschlichen Umwelt nicht richtig entschlüsseln, obwohl sie jedes einzelne gesprochene Wort für sich genommen verstehen. Wir anderen wissen beispielsweise, dass, wenn wir zu einer Gruppe Fremder hinzutreten, wir aus der Mimik und Gestik, aus einzelnen Worten ablesen können, welche "Atmosphäre" gerade in der Gruppe herrscht, und dass wir uns vielleicht erst einmalzurückhalten sollten.

Diese Entschlüsselung vieldeutiger, aber für das Zusammenleben von Menschen sehr wichtiger, ausgesprochener und unausgesprochener Botschaften in Mimik, Gestik und Wort fällt schizophren veranlagten Menschen grundsätzlich oder zumindest von Zeit zu Zeit schwerer, aufgrund von Beeinträchtigungen in reizaufnehmenden und reizverarbeitenden Systemen des Gehirns. Viele Krankheitszeichen akuter Schizophrenie leiten sich aus diesem Modell ab: Die Tendenz zu Unnahbarkeit und Rückzug (sog. Autismus) ebenso wie die Neigung, gerade auch die liebevolle Zuwendung von Angehörigen falsch zu deuten, sich bedroht und unverstanden zu fühlen. In akuten Erkrankungsphasen verstehen Schizophrene die Welt nicht mehr, erleben sie als bedrohlich und feindselig (paranoide Erlebensfehlverarbeitung).

Ähnlich gestört wie das Wahrnehmen, das Erleben und das Denken, ist bei schizophren beeinträchtigten Menschen auch die Willensbildung und Entscheidungsfindung. Oft gibt es tiefgreifende Zwiespältigkeiten (sog. Ambivalenzen), dann aber auch ein merkwürdig starres Festhalten an einmal gewählten Sichtweisen und Einstellungen bis hin zur fast völligen Unkorrigierbarkeit.

Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

In der akuten Krankheitsphase sind Angehörige oft genauso hilflos wie die Betroffenen. Die Erkrankten wissen meist nicht, dass ihre Störung Krankheit ist, wehren zunächst einmal Hilfe ab. Manchmal gelingt es, auch schwer erregte an Schizophrenie erkrankte Menschen unter behutsamer (fester) Gesprächsführung in ein therapeutisches Bündnis einzubeziehen.

Manchmal bleibt nur als allerletzte Maßnahme, die Behandlung gegen den Willen des Betroffenen, zum Beispiel auf der Grundlage des Psychischkranken-Hilfegesetzes. Mit diesem schmerzlichen Schritt sollte man nicht zu lange zögern. In aller Regel sind die Betroffenen nach erfolgreicher Behandlung der akuten Krankheitsphase eher dankbar, dass Arzt und Angehörige stellvertretend für sie gehandelt haben.

Ist Schizophrenie die Erkrankung akuter Angst und Unsicherheit, der Verlust einer für uns andere alle selbstverständlichen Einheit von Fühlen, Denken und Handeln, (deshalb Schizophrenie = sog. Spaltungsirresein), dann ist von den Angehörigen und vom behandelnden Arzt ein hohes Maß an Einheitlichkeit und Eindeutigkeit gefordert. Daher einige Verhaltensmaßregeln:

Der Umgang mit dem Erkrankten soll so normal wie irgend möglich sein. Machen Sie "Verrücktheit" nicht mit!
Berücksichtigen Sie aber die besondere Feinfühligkeit schizophren Erkrankter. Daher möglichst keinen Schritt "hintenherum", sondern ein höchstmögliches Maß an Offenheit, Klarheit und Eindeutigkeit. So sollten Angehörige z. B. den Erkrankten nicht belügen, wenn Sie in Ihrer Not den Arzt oder medizinische Dienste verständigt haben.

Lassen Sie sich nicht von Hektik anstecken, bewahren Sie da Ruhe, wo der Erkrankte unruhig ist.

Seien Sie offen, wo die Krankheit Misstrauen diktiert.
Versuchen Sie auch dem sehr verstörten Kranken eine Art von grundlegender Sicherheit zu geben, dass Sie zu ihm halten und hinter ihm stehen.

Vermag ein Patient krankheitshalber die Notwendigkeit einer Behandlung nicht einzusehen und ist im Ausnahmefall Zwang unvermeidlich, so sollten Angehörige und Arzt auch dies ihm ruhig und klar mitteilen.

Wie verläuft die Behandlung?

In der akuten Erkrankungsphase liegt das Schwergewicht der Behandlung anfangs auf der medikamentösen Therapie. Neuroleptika, so der Name der entsprechenden Medikamente,
sind mehr als bloße Beruhigungsmittel. Sie greifen nahe der Ursache der Erkrankung in gestörte biochemische Prozesse im Gehirn ein und normalisieren den (Über-)Erregungszustand des Gehirns, so dass im besten Fall die akut Erkrankten wieder zu einer ausgeglichenen seelischen Verfassung zurückfinden. Das Einregulieren der schizophrenen Fehlfunktionen dauert allerdings seine Zeit. Insofern ist eine regelmäßige und gleichbleibende Gabe der neuroleptischen Medikamente als Tabletten (und ggf. als sog. Depot-Spritze in den Gesäßmuskel) unumgänglich.

Daneben sollten sich Angehörige davon leiten lassen, dass akute schizophrene Episoden eben auch schwere Erkrankungen darstellen. Die Betroffenen bedürfen der Schonung und Entlastung; ihnen sollte vermittelt werden, dass es in der akuten Erkrankungsphase erst einmal darauf ankommt, wieder zur seelischen Mittellage zurückzufinden, den Schlaf zu normalisieren, Entspannung zu finden, die Belastungen des Alltags daher erst einmal zurückzustellen. Insofern ist auch dringend davon abzuraten, dass akut schizophren Erkrankte in dieser Zeit seelischen Aufgewühltseins grundsätzliche lebensverändernde Entscheidungen, z.B. über Ehe und Beruf, treffen. Angehörige und Therapeuten sollten darauf hinwirken, dass derartige Entscheidungen zwar wichtig und ggf. auch einmal in der Zukunft nötig sind, aber nicht in akuten Krankheitsphasen getroffen werden. In diesen Zeiten besteht die Gefahr, dass es seitens der Betroffenen zu erheblichen Fehleinschätzungen ihrer Situation kommt.

Partner und Eltern sind in der akuten Krankheitsepisode in einer schwierigen und oft zwiespältigen Situation. Manchmal werden sie von den Erkrankten mit Vorwürfen überhäuft, mit schwer oder unverständlichen Äußerungen und Entscheidungen konfrontiert oder auch nur durch barsche Zurückweisung brüskiert. Sie sollten in einer solchen schwierigen Zeit daran zu denken versuchen, dass akute schizophrene Episoden Erkrankungen sind und dass der erkrankte Nächste in ausgeglichener seelischer Verfassung wahrscheinlich anders reden und entscheiden würde. Insofern ist ein gewisses Maß an Distanz bedeutsam, um sich selbst vor Vorwürfen und Schuldgefühlen zu schützen, ebenso wie Worte an den Erkrankten, dass man zwar nicht alle seine Ansichten teilt, aber gleichwohl vom Grundsatz her zu ihm steht.

Akute schizophrene Episoden bedingen manchmal eine stationäre Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus bzw. einer entsprechenden Abteilung an einem allgemeinen Krankenhaus. Wichtig ist, dass die Angehörigen dem Patienten signalisieren, dass sie hinter ihm, aber auch hinter einer solchen Behandlung stehen! Wenn irgend möglich, ist dem Erkrankten Sicherheit zu vermitteln und dass er sich auch in Zeiten des psychotischen Zusammenbruchs auf seine Bezugsperson verlassen kann. Anders als es die Laienmeinung sagt ("Irren soll man nicht widersprechen"), heißt das Stehen zum Angehörigen aber nicht, ihm nach dem Mund reden oder gar psychotische Ängste, wahnhafte Verkehrungen oder Verfolgungsgefühle um des lieben Friedens willen zu bestätigen. Man sollte dem Patienten sagen, dass man anderer Meinung ist, aber in der akuten Erkrankungsphase lange und fruchtlose Auseinandersetzungen über krankhafte Befürchtungen vermeiden.

Verlauf und Prognose

Schizophrene Erkrankungen verlaufen oft, aber nicht immer, langwierig. Es gibt phasische Krankheitsverläufe mit zeitlich begrenzten Krankheitsepisoden und monate- oder jahrelangen stabilen Zeiten dazwischen. Dann gibt es aber auch ungünstige Verläufe mit einem langsamen oder schubweisen Voranschreiten von Krankheit und Beeinträchtigung. Bei einzelnen Patienten bleibt es aber auch nur bei einer oder ganz wenigen Krankheitsepisoden über den gesamten Lebensweg. Letztlich gibt es keine sicheren und eindeutigen Möglichkeiten der heutigen Medizin, den Krankheitsverlauf vorauszusagen.

Einige wichtige Regeln zur Krankheitsbewältigung

Schizophrene Psychosen sind leider oft Rückfallserkrankungen. Langzeitneuroleptika sind nach wissenschaftlichen Studien immer noch das sicherste Mittel, durch kontinuierliche Einnahme das Risiko eines Rückfalls zu vermindern!

Schizophren-gesteigerte Sensibilität auch in gesünderen Tagen ohne augenfällige Krankheitszeichen (= Plus- und Minussymptome), sog. Vulnerabilität, erfordert einen behutsamen Umgang mit sich selbst und zwingt zu einer Gratwanderung, Überforderung und Unterforderung im Alltag gleichermaßen zu vermeiden.

Wo immer möglich, sollte man in der Familie und in der Partnerschaft möglichst offen, eindeutig und behutsam miteinander umgehen.

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