Zielgruppe

Abhängigkeit von Alkohol und Tabletten und anderen Substanzen ist seit den 70er Jahren als Suchterkrankung in Deutschland anerkannt. Sie zeigen eine zunehmende Häufigkeit in der Bevölkerung sowie zunehmenden Behandlungsbedarf.
Gleichzeitig ist zunehmend zu beobachten, dass Kombinationen von psychiatrischen Erkrankungen wie vorwiegend Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Psychosen und andere vorzufinden sind.
Diese Konstellation nennt man Komorbidität, wobei sich die Suchterkrankung häufiger aus der psychiatrischen Erkrankung bedingt und für beide Erkrankungen möglichst parallel oder zeitnah hintereinander die Behandlung erfolgen sollte.

Durch diese Entwicklung ist die Station A3 als Teilbereich der suchtmedizinischen Abteilung mit einem abgestuften, spezifisch-differenzierten Angebot für Patienten mit den Erkrankungen des psychiatrischen Formenkreises nahezu aller Klassifizierungen konzipiert.

Struktur der Station

Die Station A3 ist einer der offenen Teilbereiche der Abteilung Suchtmedizin und spezielle Psychiatrie. Es gibt 30 Behandlungsplätze.

Das multiprofessionelle Team setzt sich zusammen aus:

  • Fachärztin für Psychiatrie / Psychotherapie
  • Arzt/ Ärztin in Weiterbildung
  • Psychologischer Psychotherapeut
  • Diplom-Sozialarbeiterin mit suchtmedizinischer Zusatzqualifikation
  • Gesundheits- und Krankenpfleger zum Teil mit Fachweiterbildung für Psychiatrie

Der Erstkontakt zur Station erfolgt in der Regel über das Abteilungs- und Chefarztsekretariat zur Absprache von Aufnahme-Terminen und weiterer Organisation.

Räumlichkeiten

Drei Zimmer bieten die Voraussetzungen für Wahlleistungs-Behandlungen, die übrigen Zimmer sind Doppelzimmer. Die Patienten haben die Möglichkeit, einen Kreativraum, Gruppentherapieräume und einen Raum für Entspannungsübungen zu, nutzen.
In diesen Räumlichkeiten sind verschiedene Medientechniken, Freizeitangebote, Lesemöglichkeiten über eine Stationsbibliothek nutzbar.
Soziale Kontakte innerhalb und außerhalb der Station können im Stationsgarten, dem Klinikgelände und einer Cafeteria gepflegt werden.

Behandlungsmodell

Über die Entwicklung einer Abhängigkeit gibt es verschiedene theoretische Modellvorstellungen.
Durch die Forschung zeigt sich zunehmend, dass bei der Entwicklung einer Abhängigkeit von einer Störung emotionaler Verarbeitungsprozesse ausgegangen werden kann, was bedeutet, dass Gefühlswahrnehmungen nicht ausreichen herauf- oder herunterreguliert und in einen Wahrnehmungskontext eingeordnet werden können, was zu einem Fehlverhalten und dem Konsum von abhängig machenden Substanzen führt.
Ausgehend von dieser Modellvorstellung basiert die Behandlung sowohl für die
Entgiftungspatienten als auch für die Patienten mit komorbiden Störungen auf der Veränderung kognitiver emotionaler Verhaltensweisen nach psychiatrisch-psychotherapeutischen Grundsätzen, orientiert an kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsmodellen.

Behandlungsorientierung

Nach der medizinischen Grunduntersuchung wird entsprechend den Behandlungszielen des Patienten ein individuelles Therapieprogramm festgelegt.

Unterschieden wird dabei:

Entgiftung

Entsprechend dem Ziel einer Entzugsbehandlung, Lebens- und Überlebenssicherung, konzentrieren sich die Maßnahmen auf die körperliche und seelische Stabilisierung sowie die medizinische Unterstützung der Entgiftung als ärztlich/fachärztlich geleitete Regelversorgung.
Dabei stehen psychoedukative, motivationsfördernde Einheiten sowie soziotherapeutische Unterstützung zur Verfügung, die in einem Therapieplan zusammengefasst werden und verpflichtende Veranstaltungen sind. Darüber hinaus findet psychiatrische und psychotherapeutische Diagnostik bei Verdacht auf komorbide Störungen statt.
Eine weitere Behandlungsorientierung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Patienten.
Die Dauer umfasst etwa 10 Tage.

Qualifizierte Entgiftung

Entsprechend dem Rahmenkonzept der qualifizierten Entgiftung für NRW umfasst die Behandlung die weitergehende Förderung und den Aufbau der Motivation des Patienten zur Anbindung an das ambulante Suchthilfesystem und für suchtspezifische Rehabilitationsmaßnahmen. Sie ist fachärztlich geleitet und geht nach den Grundlagen des SGB V zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen.
Die erforderliche Aufklärung über Ursachen, Komplikationen und Behandlungsmöglichkeiten der Suchterkrankung, ggf. der psychiatrischen Erkrankung, erfolgt im Rahmen der Informationsveranstaltungen: Medizinische Information, Suchtinformation, Soziogruppe, Kontakte zu Selbsthilfegruppen sind somit verpflichtende Therapieveranstaltungen und aus einem Therapieplan ersichtlich.
Motivationsförderung erfolgt kognitiv-verhaltensorientiert psychologisch begleitet.
Verhaltensweisen, Veränderungsbereitschaft und -bemühen des Patienten werden kritisch beobachtet und einer gemeinsamen Bewertung zugeführt.
Eigenverantwortliches ressourcenorientiertes Handeln, Sammeln von Erfahrungen und die Vorbereitung auf weitere Behandlungen werden dabei unterstützt.
Somit werden Kontakte zu Selbsthilfegruppen/Suchtberatungsstellen und anderen therapeutischen Einrichtungen als Vernetzungsangebot durch zeitlich geregelten Stadtausgang, Sozialtag und ggfs. Belastungsbeurlaubung, ermöglicht.
Über die stationäre, soziotherapeutische Begleitung ist ebenfalls unter bestimmten Kriterien die Einleitung von therapeutischen Maßnahmen im Sinne einer Rehabilitation möglich. So werden:

  • Patienten mit drohendem Arbeitsverlust durch die Suchterkrankung
  • Patienten mit ausgeprägten körperlichen Folgeschäden der Suchterkrankung
  • Patienten mit Kindern bei soziofamiliären Problemen als Folge der Suchterkrankung und
  • Patienten die trotz guter Anbindung an das amb. Suchthilfesystem bisher keine Abstinenz erlangen konnten

besonders berücksichtigt. Voraussetzung ist Lernfähigkeit und Veränderungsbereitschaft. Die Veränderungen des Konsumverhaltens der Pat. durch zunehmend multiplen Substanzkonsum werden entsprechend den Pat. Zusammensetzungen in den psychoedukativen und soziotherapeutischen Therapieeinheiten berücksichtigt. Die Dauer beträgt etwa 18 Tage.

Behandlung komorbider Störungen/ Psychotherapie

Die Behandlung von komorbiden Patienten umfasst nach der Entgiftung psychotherapeutische/psychiatrisch-medizinische sowie soziotherapeutische Behandlungsstrategien. Voraussetzung für eine zusätzliche psych. Behandlung ist das manifeste, aktuelle Vorliegen einer psychischen Erkrankung des affektiven Formenkreises, neurotischen Belastungs- und somatoforme Störungen, Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
Maßgebend ist Gruppenfähigkeit und ein Therapieauftrag des Patienten, der u. a. im Rahmen der Diagnostik erarbeitet wird (3 Fragen).
Die Behandlung erfolgt im stationären Rahmen in Gruppen- und Einzelgesprächen, begleitet von medizinischen, soziotherapeutischen und psychologisch-edukativen Elementen.
Zudem werden die Patienten durch das Bezugspflegesystem mit mind. einem Pflegegespräch pro Woche begleitet.
Die Behandlung erfolgt auf kognitiv verhaltenstherapeutischer Basis, insbesondere den drei Feldern Aktivitätsniveau, soziales Verhalten und kognitiv-emotionale Störung.

Zielsetzung für die Behandlung

A)
Erkennen unpassender, fehlerhafter und unlogischer gedanklicher Interpretationen externaler und internaler Ereignisse, die Einleitung von schrittweisen Korrekturen dieser fehlerhaften Denkweisen sowie das Ersetzen durch situationsangemessene Kognitionen.

B)
Veränderung grundlegender kognitiver Idiosynkrasien (Grundannahmen), um eine dauerhafte
Vorbeugung psychischer Reaktionen bei erneuter Belastung zu erreichen.

C)
Die selbständige Anwendung kognitiver Techniken zur Verbesserung der affektiven Selbstkontrolle.

Begleitend sind psychoedukative und soziotherapeutische Einheiten entsprechend einem Therapieplan verpflichtend. Vernetzungsmöglichkeiten mit dem amb. Suchthilfesystem sind ebenfalls möglich sowie Erproben erlernter Verhaltensänderungen im sozialen/familiären Bereich.
Bei Durchführung einer psychotherapeutischen Behandlung ist von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen als bei (qualifizierter) Entgiftung.

So erreichen Sie uns

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
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