Psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung psychisch erkrankter griechischer Migranten

Station A1aDass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben, das steht längst fest. Menschen mit einem anderen ethno – sozio - kulturellen Hintergrund konfrontieren psychiatrisch Tätige mit „fremden“ soziokulturellen Bedingtheiten. Einige Migranten sind mit den deutschen (westeuropäischen) Bräuchen wenig vertraut und verständigen sich lieber in ihrer Muttersprache.
Bei Migranten ist das psychische und soziale Gefüge durch Belastungen im Rahmen des Migrationsprozesses beeinträchtigt. Heimweh, Verlusterlebnisse im Rahmen der Migration, fehlende Sprachkenntnisse und Gefühle der Fremdheit können zur Manifestation psychosomatischer Beschwerden – im Sinne eines "leibnahen Artikulationsstils" – und psychischer Störung führen.

Wer kann hier behandelt werden?

Unser Behandlungsangebot hat seinen Schwerpunkt auf die Versorgung von Menschen griechischer Herkunft fokussiert, die psychisch erkrankt sind. Die Abteilung bietet stationäre Behandlungsplätze für Frauen und Männer, die älter als 18 Jahre sind.

Das therapeutische Angebot

Die Entstehung und Interpretation psychischer Störungen bei griechischen Migranten ist multifaktoriell, d.h. unter Berücksichtigung des Zusammentreffens psychischer, ethnokultureller und sozialer Faktoren.

Die Zugehörigkeit, Vertrautheit und Kenntnis ethnischer und kultureller Faktoren ermöglicht die Einschätzung, Bewertung und Zuordnung von Verhaltensnormen, Auffälligkeiten und Symptomatik. Das Verständnis des ethno – sozio – kulturellen Hintergrundes und die der Angehörigen ist ein wichtiger Bestandteil des diagnostischen und therapeutischen Prozesses.

Die Therapie beinhaltet psychotherapeutische, soziotherapeutische und psychopharma-kotherapeutische Maßnahmen. Die jeweilige Therapieform berücksichtigt die wissenschaftlich etablierten Verfahren und wird individuell abgestimmt. Dem Patienten wird in griechischer Muttersprache ein Erklärungsmodell über die Erkrankung und die geeignete Therapieform vermittelt.

Das Behandlungsangebot umfasst das Gesamtspektrum psychiatrischer Erkrankungen, wie:

  • Depressionen, Angsterkrankungen, Zwangsstörungen
  • Psychoseerkrankungen
  • Psychische Krisen nach Trennungen oder Verlusterlebnisse
  • Bipolare affektive Störungen (manisch – depressiv)
  • Suchterkrankungen

Diagnostik und Therapie

  • Ausführliches Gespräch mit dem Patienten über dessen Problem, Beschwerden, Verhaltensweisen, Symptome und Verlauf der Erkrankung auch unter heranziehen ärztlicher Vorbefunde und -berichte
  • Psychometrische Verfahren und Computertomografie bei Bedarf
  • Fremdanamnese durch Angehörige
  • Psychotherapie (Einzel- und Gruppentherapie griechischer Muttersprache)
  • Pharmakotherapie
  • Soziotherapie
  • Musiktherapie
  • Ergotherapie
  • Sporttherapie
  • Bewegungstherapie
  • Wassertreten
  • Schwimmtherapie
  • Physiotherapie
  • Therapeutische Kochgruppen
  • Bezugspflege

Unser Team

teilweise griechisch sprechend, setzt sich wie folgt zusammen:

  • Psychiatrisch qualifiziertes Pflegepersonal
  • Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
  • Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie GR
  • Dipl. Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin GR
  • Dipl. Sozialarbeiter
  • Dipl. Musiktherapeutin
  • Ergotherapeuten

Pflegekonzept

Die Krankenpflege sieht den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist, als ein Individuum welches in Beziehung zu seiner Umwelt steht. Die Aufgaben der Pflege sind, vom Aufnahmetag an, einen zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen und ein akzeptables Milieu für die Patienten zu schaffen und zu erhalten.

Neben den examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen / Pflegern sind im Pflegeteam auch eine Arzthelferin und eine Krankenpflegehelferin eingesetzt. Eine examinierte Fachkraft ist als Fachkrankenpfleger für Psychiatrie ausgebildet.

Um den griechischen Migranten in die die psychiatrische Behandlungspflege einbinden zu können, setzt sich das Pflegeteam ständig mit dem kulturellen und sprachlichen Hintergrund auseinander. Zwei Kolleginnen aus dem Pflegedienst haben an griechischen Sprachlehrgängen teilgenommen und eine Kollegin ist Griechin. Hier gilt es, das Wissen über die fremden kulturellen Besonderheiten zu nutzen, in das Team einzubringen und zu vertiefen. Wichtig für alle Mitarbeiter ist der enge Bezug zu den einzelnen Patienten. Kulturbedingt zeigen sich die griechischen Patienten offen im Beziehungsaufbau und sind stets bereit, über ihren besonderen Migrationshintergrund zu berichten.

Die Dokumentation erfolgt über das EDV gestützte KIS System, in dem alle pflegerelevanten Daten hinterlegt werden. Hier wird auch das Pflege Assessment erfasst, das über das POK – System (Pflegeordnungskategorien) verwaltet wird. Die Pflegediagnosen und Maßnahmen hingegen werden noch handschriftlich in der Dokumentationsmappe hinterlegt.

Aspekte der psychiatrischen Behandlungspflege

  • Erkennen des Pflegebedarfs
  • Beziehungsaufbau und Gestaltung unter Berücksichtigung eines angemessenen Nähe und Distanzverhalten
  • Milieugestaltung des Umfeldes
  • Pflegeanamnesen erstellen
  • Beobachtung und Dokumentation der Verhaltensweisen und Äußerungen des Patienten (z.B. Stimmung, Schlaf, Antrieb, Auswirkungen der pharmakologischen Therapie, Orientierung in allen Lebensbereichen, Sozialverhalten, Körperpflege..) hier insbesondere unter Berücksichtigung des kulturellen Hintergrundes, wobei die Bedürfnisse des Patienten zu erkennen und mit einzubeziehen sind
  • Klassische psychiatrische Symptome erkennen, zuordnen und angemessen darauf reagieren z.B. bei Suizidalität, Wahnideen, Halluzinationen Antriebsstörungen, Angst Unruhe manisch/depressiven Verstimmungen, Aggression..
  • Krisensituationen erkennen und entsprechend reagieren (Einbeziehen des behandelnden Arztes oder Therapeuten)
  • Unterstützung bei der Tages- und Wochenstrukturierung, unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten und Grenzen des einzelnen Patienten
  • Auseinandersetzung und Umgang mit den im einzelnen eingesetzten Medikamenten
  • Somatische Pflege bei Begleiterkrankungen (Grundpflege, Mobilisation, Prophylaxen, Injektionen, Verbandwechsel ...)
  • Zusammenarbeit mit allen beteiligten Berufsgruppen und Diensten
  • Mitwirkung an therapeutischen Maßnahmen
  • Teilnahme an und Dokumentation der wöchentlichen Visite
  • Dokumentation aller pflegerelevanten Tätigkeiten

Pflegerische Angebote

  • Wochenendreflexion; hier werden in der Patientengruppe jeden Montag die Erlebnisse und Erfahrungen, die der einzelne Pat. im Wochenendurlaub gemacht hat, reflektiert. In der Regel wird die Gruppe von 2 examinierten Pflegekräften geleitet. Zum Ende wird gemeinsam noch eine Einteilung für verschiedene Wochenaufgaben und Aktivitäten erstellt
  • Stadtfahrt; 1x wöchentlich wird je eine Stadtfahrt am Vormittag und am Nachmittag in Städte der näheren Umgebung unternommen, um die soziale Kompetenz zu fördern und zu erhalten
  • Aktivitätsgruppe 1x wöchentlich am Nachmittag, es werden Spaziergänge, Wanderungen, Walking oder auch Wahrnehmungs-Training angeboten
  • Spielgruppen nach Absprache mit dem Pflegepersonal
  • Medikamentenmanagement; alle drei Wochen werden an drei auf einander folgenden Tagen in der Gruppe mit Unterstützung der behandelnden Ärzte alle eingesetzten Medikamente auf ihre Wirkungen und Nebenwirkungen vorgestellt
  • Einzelgespräche zu jeder Zeit
  • Einkaufsfahrten
  • Kochgruppe, 14tägig; es werden griechische Rezepte umgesetzt, an dem Tag wird die Station nicht von der Großküche beliefert.
  • Backgruppen
  • Sommerfest, einmal jährlich für alle stationären und ehemaligen Patienten und deren Angehörige mit ständig steigenden Besucherzahlen immer über 100 Personen
 

So erreichen Sie uns

LWL-Klinik Hemer
Hans-Prinzhorn-Klinik
Frönsberger Straße 71
58675 Hemer
Tel.: 02372 861-0
Fax: 02372 861-100

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